Natives Olivenöl extra steht in der Schweiz wieder für unter acht Franken pro Liter im Regal. An der Quelle, in den spanischen Mühlen, kostet das Kilo Mitte Oktober 2026 rund 3.16 Euro – gut ein Drittel des Rekords vom Januar 2024. Daraus folgt eine sehr praktische Frage: Ist der Preis unten angekommen, oder lohnt es sich zu warten?

Dieser Beitrag rechnet die drei Ebenen auseinander, die dabei gern vermischt werden. Erstens, wie weit der Preis an der Quelle gefallen ist. Zweitens, wie viel davon in der Schweiz tatsächlich beim Konsumenten gelandet ist – deutlich weniger, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Und drittens, was die beiden amtlichen Schätzungen der neuen spanischen Ernte vom 29. September und vom 1. Oktober 2026 ergeben haben – und was sie für die kommenden Monate nicht hergeben.

Von 9 Euro auf gut 3: der Preis an der Quelle

Im Januar 2024 war Olivenöl beinahe ein Spekulationsobjekt. Spanisches natives Olivenöl extra wurde zu rund 8.90 Euro pro Kilo gehandelt, in Jaén lag der Grosshandelspreis bei annähernd 9'000 Euro pro Tonne. Das war ein Rekord und fast das Dreifache des Durchschnitts der Jahre 2018 bis 2022.

Zweieinhalb Jahre später ist davon wenig übrig. Das Preisinformationssystem POOLred der Fundación del Olivar erfasst reale Abschlüsse im spanischen Grosshandel. Zwei Wochen im Vergleich zeigen, dass die Bewegung nach unten auch im Oktober weitergeht:

Kategorie8.–14. September 202613.–19. Oktober 2026
Natives Olivenöl extra3.43 Euro pro Kilo3.16 Euro pro Kilo
Natives Olivenöl (vergine)3.26 Euro pro Kilo2.99 Euro pro Kilo
Lampantöl (nicht für den Verzehr)3.14 Euro pro Kilo2.88 Euro pro Kilo
Picual aus Jaén, extra3.38 Euro pro Kilo3.09 Euro pro Kilo

Zwei Lesehilfen dazu. Erstens stammen die Oktoberwerte aus einem sehr dünnen Markt: Von der neuen Kampagne gab es in dieser Woche laut ASAJA Jaén überhaupt nur eine Notierung, nämlich die für natives Olivenöl extra. Zweitens rechnen andere Beobachtungsstellen mit anderen Wochen und anderen Stichproben und liegen etwas höher – die Junta de Andalucía nennt für die Woche vom 5. bis 11. Oktober 3.25 Euro pro Kilo. Die Bandbreite ändert nichts am Befund: Der Preis an der Quelle liegt rund 65 Prozent unter dem Rekord von 2024, und er ist seit September weiter gefallen.

Der Grund dafür ist Menge. Spanien stellt mehr als 65 Prozent der EU-Produktion. Nach zwei von Dürre und Hitze verdorbenen Jahren erholte sich die Ernte, und die Kampagne 2025/26 brachte 1'298'000 Tonnen. Ein Markt mit vollen Tanks und zurückhaltenden Käufern kennt nur eine Richtung.

Was in der Schweiz angekommen ist: acht Prozent

Das Bundesamt für Statistik führt Olivenöl als eigene Position im Landesindex der Konsumentenpreise. 2025 verbilligte sich Olivenöl um 8 Prozent, die Gruppe «Speisefette und -öle» insgesamt um 6.1 Prozent. Bei einer durchschnittlichen Jahresteuerung von lediglich +0.2 Prozent war Olivenöl damit eine der spürbaren Entlastungen im Einkaufskorb. Acht Prozent sind aber nicht sechzig.

Der Blick nach aussen macht die Lücke deutlich. In der EU stiegen die Konsumentenpreise für Olivenöl zwischen 2022 und 2024 um 78 Prozent und fielen 2025 um 23 Prozent – der erste Rückgang nach vier Jahren Anstieg. Den stärksten Rückgang verbuchte Spanien mit 38.9 Prozent, vor Griechenland mit 29.2 und Portugal mit 24 Prozent.

Auch in Deutschland ist Olivenöl der Nachzügler im eigenen Regal: Das Statistische Bundesamt meldete für Mai 2026 ein Minus von 6.5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, während Speisefette und -öle insgesamt um 15.3 Prozent nachgaben und Butter um 29.1 Prozent. Die Zahlen sind mit dem schweizerischen Jahreswert nicht direkt vergleichbar – anderer Zeitraum, anderer Warenkorb –, aber das Muster ist dasselbe: Der Rohstoff fällt schnell, das Regal langsam. Wie sich die Schweizer Regalpreise über die letzten fünfundzwanzig Jahre entwickelt haben, zeigt unsere Auswertung zum Olivenöl-Konsum in der Schweiz von 2000 bis 2025.

Warum das Regal später und schwächer reagiert

Dafür gibt es drei nachvollziehbare Gründe. Vorweg die Einschränkung: Schweizer Detaillisten veröffentlichen ihre Kostenstruktur nicht, wir können also die Mechanik beschreiben, aber keine Anteile beziffern.

Das Öl ist nur ein Teil des Flaschenpreises. Glas, Verschluss, Etikett, Abfüllung, Transport, Lagerung, Handelsmarge und Werbung werden in Franken bezahlt und fallen nicht mit, wenn der Rohstoff fällt. Je günstiger das Öl an der Quelle wird, desto stärker bestimmen diese Posten den Regalpreis – und desto weniger kann eine Halbierung an der Quelle im Laden überhaupt ankommen.

Einkauf läuft über Monate, nicht über Tage. Wer Ware in einer teuren Phase kontrahiert hat, hat sie im Lager und verkauft sie nicht unter Einstandspreis. Der Rückgang an der Quelle erreicht das Regal deshalb mit Verzögerung.

Gesenkt wird zuerst per Aktion. Eine Aktion ist reversibel, eine Senkung des Regalpreises ist es faktisch nicht. Für den Einkauf heisst das: Der Rückgang ist da, aber er steht öfter auf dem Aktionsschild als auf dem Preisetikett. Wer den Literpreis vergleicht statt den Flaschenpreis, findet ihn.

Was heute im Schweizer Regal steht

Wir erheben die Preise der Einstiegs- und Mittelklasse-Öle bei den grossen Ketten selbst. Der Stand ist der 30. September 2026; nur die Denner-Position wurde am 16. September erhoben:

KetteÖlGebindePreispro Liter
MigrosM-Budget1 lCHF 7.95CHF 7.95
LidlPrimadonna0.75 lCHF 8.95CHF 11.93
DennerDivella1 lCHF 11.95CHF 11.95
Aldi SuisseBio0.75 lCHF 9.95CHF 13.27
MigrosMonini1 lCHF 16.00CHF 16.00
MigrosBio0.5 lCHF 11.40CHF 22.80

Der Boden liegt damit bei rund acht Franken pro Liter, und er liegt bei einer Eigenmarke. Das ist die Zahl, an der sich jede andere Flasche messen lassen muss. Welche Flasche wir bei welcher Kette empfehlen, steht in Bestes Olivenöl in der Schweiz: eine Flasche pro Kette.

Nur «vergine»M-Budget Olivenöl vergine, 1 l
Migros

M-Budget Olivenöl vergine, 1 l

Herkunft auf der Packung

CHF 7.951 L · CHF 7.95 pro Liter

Preis prüfen

Bemerkenswert ist die zweite Zahl: Bio kostet nicht mehr das Doppelte. Ein Bio-Öl für gut dreizehn Franken pro Liter lag vor drei Jahren ausserhalb dessen, was das Einstiegssegment hergab.

Die Spanne ist der eigentliche Befund. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Liter dieser Auswahl liegt fast der Faktor drei, und dieser Unterschied ist nicht durchgehend Qualität: In den Schweizer und Westschweizer Tests sind teure Flaschen durchgefallen und günstige gut bewertet worden. Was die Tests genau ergeben haben, führen wir im Olivenöl-Test Schweiz 2026 zusammen. Die vollständige, laufend nachgeführte Tabelle mit den aktuellen Literpreisen steht auf unserer Preisseite; eine Position darin – das Bio-Öl von Manor – stammt noch von September 2025: Manor verkauft Lebensmittel nicht online, der Preis ist nur im Laden überprüfbar.

Jetzt kaufen oder warten? Was die amtliche Schätzung ergeben hat

Die Zahl liegt vor. Am 29. September 2026 stellte die Junta de Andalucía in Mengíbar (Jaén) ihre amtliche Schätzung für die Kampagne 2026/27 vor: 1'261'200 Tonnen Olivenöl in Andalusien. Das sind 23.9 Prozent mehr als die Endproduktion der Vorkampagne und 44 Prozent mehr als der Durchschnitt der letzten fünf Kampagnen.

Zwei Tage später, am 1. Oktober 2026, legte das spanische Landwirtschaftsministerium in Jaén die nationale Schätzung nach: 1'602'596 Tonnen für ganz Spanien, 23 Prozent mehr als in der Vorkampagne. Das Ministerium nennt das eine «mittelhohe» Ernte.

EbeneOlivenöl, Schätzung 2026/27Veränderung oder Anteil
Spanien insgesamt (Ministerium, 1.10.)1'602'596 Tonnen+23 Prozent gegenüber der Vorkampagne
davon Andalusien (Junta, 29.9.)1'261'200 Tonnen79 Prozent von Spanien; +23.9 Prozent
davon Jaén575'000 Tonnen36 Prozent von Spanien
davon Córdoba339'700 Tonnen–
davon Sevillarund 142'000 Tonnen–
Castilla-La Mancha152'000 Tonnen+10 Prozent; zweitgrösste Region
Extremadura97'300 Tonnen+24 Prozent

Damit ist die Grossernte bestätigt – aber schwächer, als die Feldschätzungen erwarten liessen, die für ganz Spanien 1.7 bis 1.8 Millionen Tonnen in Aussicht gestellt hatten. Die Junta nennt den Grund für die Dämpfung in Andalusien: Ein sehr nasser Winter hat der Entwicklung des Baums geholfen, die weit über dem Mittel liegenden Temperaturen haben das Produktionspotenzial dann begrenzt. Nicht überall wächst die Ernte: Das nationale Aforo weist für Katalonien, Aragón, die Balearen, Madrid, Murcia und Navarra einen Rückgang aus. Und es ist ausdrücklich eine erste Schätzung, die im Lauf der Kampagne nachgeführt wird.

Für die Preise heisst das zweierlei. Der Druck nach unten bleibt bis weit in das Jahr 2027 bestehen, denn 1.6 Millionen Tonnen füllen die Tanks eines Marktes, der schon jetzt gut versorgt ist – an der Quelle war das in den drei Wochen nach der Schätzung schon zu sehen, als der Preis von 3.43 auf 3.16 Euro nachgab. Eine zweite Halbierung lässt sich daraus aber nicht ableiten: Der Sprung in der Erntemenge beträgt knapp ein Viertel, nicht dreissig bis vierzig Prozent, und er ist mit der Schätzung bereits bekannt und eingepreist. Zwischen Schätzung und Mühle liegen zudem noch die Monate Oktober bis Januar – Trockenheit in dieser Phase hat die Prognosen der letzten Jahre mehr als einmal umgeschrieben.

Für den Haushalt folgt daraus eine unspektakuläre Antwort: Hamstern lohnt nicht. Olivenöl ist kein Konservenprodukt, sondern ein frischer Saft, der ab der Abfüllung an Polyphenolen und Aroma verliert. Sechs Flaschen zu kaufen, um zwei Franken zu sparen, ist ein schlechtes Geschäft, wenn die letzte davon ranzig wird. Ein sinnvoller Vorrat ist die Menge, die ein Haushalt in sechs bis neun Monaten verbraucht, dunkel und kühl gelagert – wie genau, steht in unserer Anleitung zum richtigen Lagern von Olivenöl.

Worauf sich das Warten dagegen lohnt, ist nicht der Preis, sondern die Ernte selbst. Das Öl der Kampagne 2026/27 wird ab Ende Oktober gepresst und erreicht die Schweizer Regale in den Wochen danach. Der Unterschied zwischen einem frisch gepressten Öl und einem, das zwei Erntejahre im Regal hinter sich hat, ist im Glas deutlich grösser als die zwei Franken, um die es beim Preis geht.

Häufige Fragen

Warum ist Olivenöl in der Schweiz nicht so stark gefallen wie in Spanien?

Weil in der Schweiz ein kleinerer Teil des Regalpreises auf das Öl selbst entfällt. Glas, Abfüllung, Transport, Lagerung und Handelsmarge werden in Franken bezahlt und fallen nicht mit dem Rohstoff. Dazu kommen Einkaufsverträge, die über Monate laufen: Ware aus einer teuren Phase liegt noch im Lager. In Spanien liegen Mühle und Regal näher zusammen, entsprechend schneller schlägt der Rückgang durch.

Was kostet der Liter natives Olivenöl extra derzeit mindestens?

In unserer Erhebung vom 30. September 2026 liegt der günstigste Liter bei CHF 7.95 – eine Eigenmarke bei Migros. Bio-Öl gibt es ab rund CHF 13 pro Liter. Vergleichbar ist nur der Literpreis: Eine 0.75-Liter-Flasche für CHF 8.95 sieht günstiger aus als eine Literflasche für CHF 11.95, ist es aber nicht.

Wird Olivenöl 2027 noch günstiger?

Der Preisdruck bleibt, aber schwächer als erhofft. Das nationale Aforo vom 1. Oktober 2026 nennt 1'602'596 Tonnen für ganz Spanien, 23 Prozent mehr als in der Vorkampagne – eine Grossernte, aber keine 30 bis 40 Prozent, wie die Feldschätzungen mit 1.7 bis 1.8 Millionen Tonnen angedeutet hatten. An der Quelle ist der Preis seither weiter gefallen, von 3.43 Euro im September auf 3.16 Euro in der Woche vom 13. bis 19. Oktober. Trockenheit zwischen Oktober und Januar kann die Rechnung weiter ändern, und im Schweizer Regal kommt jede Bewegung ohnehin verzögert an.

Wann ist die amtliche Ernteschätzung für Spanien erschienen?

In zwei Schritten. Das andalusische «aforo» wurde am 29. September 2026 in Mengíbar in der Provinz Jaén vorgestellt und deckt nur Andalusien ab: Jaén 575'000 Tonnen, Córdoba 339'700, Sevilla rund 142'000. Die nationale Schätzung folgte am 1. Oktober 2026, ebenfalls in Jaén, vom Landwirtschaftsministerium: 1'602'596 Tonnen für ganz Spanien. Das ist die Zahl, an der sich der Grosshandel ausrichtet; sie ist eine erste Schätzung und wird im Lauf der Kampagne nachgeführt.

Lohnt es sich, jetzt mehrere Flaschen auf Vorrat zu kaufen?

Nur bis zur Menge, die Sie in sechs bis neun Monaten verbrauchen. Olivenöl verliert mit der Zeit Polyphenole und Aroma, und ein Vorrat, der ranzig wird, kostet mehr als er spart. Wer bei einer Aktion zugreift, achtet besser auf das Erntedatum als auf die Anzahl der Flaschen.

Heisst ein tiefer Preis, dass die Qualität schlechter wird?

Nicht zwangsläufig. Der Rückgang kommt von einer grossen Ernte, nicht von gesenkten Anforderungen. Die Schweizer Tests zeigen aber, dass auch teure Flaschen durchfallen können: Der Preis ist kein Qualitätsbeweis in keine der beiden Richtungen. Entscheidend bleiben Erntedatum, dunkles Glas und der eigene Geruchstest beim Öffnen.

Quellen