Im Oktober stellt sich die Frage in jedem Haushalt gleich: Die Flasche ist halb leer, Olivenöl ist seit zwei Jahren billiger geworden, und in sechs Wochen beginnt die Zeit der Aktionen. Jetzt zugreifen – oder warten, bis das Öl der neuen Ernte im Regal steht?

Die ehrliche Antwort hat drei Teile, die sich gerade zum ersten Mal seit Monaten verändert haben: die Ernteschätzung, die Lagerbestände und das, was davon im Schweizer Regal ankommt.

Neu seit dem 1. Oktober: die amtliche Ernteschätzung

Bis Ende September fehlte die amtliche Zahl für ganz Spanien. Am 1. Oktober 2026, dem ersten Tag der neuen Kampagne, veröffentlichte das spanische Landwirtschaftsministerium das erste Aforo für 2026/27: 1'602'596 Tonnen Olivenöl, rund 23 Prozent mehr als in der Vorkampagne. Das Ministerium nennt die Ernte «mittel bis hoch».

RegionSchätzung 2026/27gegenüber Vorkampagne
Andalusien1'261'200 Tonnen+29 Prozent
Kastilien-La Mancha152'555 Tonnen+10 Prozent
Extremadura97'300 Tonnen+24 Prozent
Spanien insgesamt1'602'596 Tonnen+23 Prozent

Andalusien stellt damit 78.7 Prozent der spanischen Produktion, Jaén allein etwa 36 Prozent. Katalonien, Aragonien, die Balearen, Madrid, Murcia und Navarra liegen unter dem Vorjahr. Dass für Andalusien in der Presse auch «knapp 24 Prozent» zu lesen ist, liegt an einer anderen Vergleichsbasis – ein Hinweis darauf, wie belastbar Zahlen in dieser Phase sind.

Dazu der Vorbehalt des Ministeriums selbst: Es ist eine vorläufige Schätzung, deren Ergebnis von der Wetterentwicklung der nächsten Wochen abhängt – der Ölgehalt der Oliven entsteht erst in den Wochen vor der Pressung. Eine Zahl von Anfang Oktober ist kein Preis, sondern eine Erwartung.

Die zweite Zahl: die Lager sind voll

Eine grosse Ernte drückt nur dann auf den Preis, wenn sie auf gefüllte Tanks trifft. Die spanische Marktbehörde AICA wies für den 31. August 2026 Gesamtbestände von 475'434 Tonnen aus: 264'799 Tonnen in Mühlen und Genossenschaften, 206'615 Tonnen bei Abfüllern, 4'020 Tonnen beim Patrimonio Comunal Olivarero. Die Abgänge aus den Mühlen lagen im August bei 68'831 Tonnen, die Gesamtbestände des Sektors sanken im Monat um rund 93'900 Tonnen – ein Tempo, das die Branchenberichte langsam nennen. Einen Monat vor der neuen Ernte war das Lager gut gefüllt.

Wie viel davon als Übertrag in die neue Kampagne ging, ist offen. Die Regierung nennt rund 289'000 Tonnen. Álvaro Olavarría, Geschäftsführer der Genossenschaft Oleoestepa, schätzt 375'000 Tonnen plus Einfuhren von 215'000 bis 225'000 Tonnen, womit die Gesamtverfügbarkeit bei etwa 2.2 Millionen Tonnen läge. Zwei Zahlen für denselben Bestand, mit 86'000 Tonnen Abstand.

Der Marktbericht Öle und Fette vom Juli 2026 – die letzte verfügbare Ausgabe – nennt die Vorräte ausreichend bis zur neuen Ernte und die Preistendenz stabil bis leicht fallend. Ein Bericht mit den Oktoberzahlen liegt noch nicht vor.

Der Preis an der Quelle: vier Quellen, vier Zahlen

Jetzt wird es unangenehm für jede Prognose. Für Ende September und Anfang Oktober 2026 liegen mehrere Notierungen für spanisches natives Olivenöl extra vor – weit auseinander:

QuelleZeitraumPreis pro Kilo
POOLred3. bis 9. Oktober 20263.20 Euro (−2.6 Prozent)
POOLred26. September bis 2. Oktober3.56 Euro
Landwirtschaftsministerium21. bis 27. September3.44 Euro
Observatorium der Junta de Andalucía8. September bis 4. Oktober3.57 Euro

Der Grund für die Spanne ist nicht Uneinigkeit, sondern Leere: Die Kampagne hat begonnen, aber es wird kaum gehandelt. ASAJA Jaén zählte in den POOLred-Daten vom 29. September bis 5. Oktober 43 Abschlüsse, Mittel 3.34 Euro. Ein Rückgang von 3.56 auf 3.20 Euro in sieben Tagen beschreibt deshalb nicht den Trend, sondern die Dünne des Handels.

Im Schweizer Regal bewegt sich nichts

Das ist der Teil, der für den Einkauf zählt – und die Nachricht lautet: keine Nachricht. Coop erklärte Ende September 2026, bei Olivenöl seien aktuell keine Preisveränderungen festzustellen; die Entwicklung im kommenden Jahr zeige sich erst nach der Ernte zwischen Oktober und Januar. Eine Herstellerin rechnet im selben Beitrag «tendenziell» mit einem leichten Preisanstieg. Von Senkungen spricht niemand.

Unsere Erhebung bei den Ketten vom 30. September 2026 bestätigt das: Der Boden liegt weiterhin bei einer Eigenmarke in der Literflasche. Diese Flasche hat allerdings eine Vorgeschichte – die Westschweizer Konsumentenorganisation FRC stufte sie 2025 wegen sensorischer Fehler auf «vergine» zurück, chemisch war sie unauffällig. Der günstigste Liter ist eine Preisreferenz, keine Empfehlung.

Dass das Regal langsamer reagiert als die Mühle, ist kein Zufall: Glas, Abfüllung, Transport und Handelsmarge werden in Franken bezahlt, und Einkaufsverträge laufen über Monate. Diese Mechanik haben wir im Beitrag zum Olivenölpreis 2026 auseinandergerechnet – damals mit der These, der Rückgang gehe weiter. Die ist zu korrigieren: Er ist nicht umgekehrt, aber flach geworden, und das Risiko liegt oben.

Die Unbekannte: 20 Prozent Rücknahme

Das spanische Landwirtschaftsministerium hat für 2026/27 den Entwurf einer Vermarktungsnorm in die öffentliche Anhörung gegeben; die Frist lief bis zum 13. August 2026. Übersteigen Anfangsbestände und geschätzte Produktion zusammen 120 Prozent des Mittels der letzten sechs Kampagnen, können bis zu 20 Prozent vorübergehend vom Markt genommen werden; dieses Öl bleibt bis zur folgenden Kampagne eingelagert.

Minister Luis Planas nannte das Instrument eine ausserordentliche Massnahme, die bisher nie angewendet wurde, und erklärte am 1. Oktober, die Regierung prüfe «mit Strenge», ob sie greift. Der Entscheid soll in der ersten Novemberhälfte 2026 fallen; COAG Andalusien und andere fordern die Aktivierung. Ob sie kommt, wissen wir nicht – was sie bedeutet, schon: Ein Instrument, das Öl aus dem Markt nimmt, soll Preise stützen, nicht senken.

Die einzige Rechnung ohne Risiko: zwei Liter

Aus drei unsicheren Zahlen lässt sich keine Preisprognose bauen, aber eine Einkaufsregel: zwei Liter. Einer offen in der Küche, einer verschlossen, dunkel und kühl im Vorrat. Kein Palett.

Der Grund ist Chemie, nicht Sparsamkeit: Olivenöl ist kein Konservenprodukt, sondern ein frischer Saft, der ab der Abfüllung Polyphenole und Aroma verliert – angebrochen schneller. Was das Mindesthaltbarkeitsdatum dazu aussagt, steht im Beitrag zu abgelaufenem Olivenöl; welches Gebinde pro Liter günstiger ist, haben wir für 500 ml, einen Liter und den Kanister durchgerechnet.

Zwei Liter kosten im schlechtesten Fall ein paar Franken mehr als derselbe Einkauf in drei Monaten, im besten Fall weniger. Diese Spanne ist kleiner als der Qualitätsunterschied zwischen frisch gepresstem Öl und einem mit zwei Erntejahren im Regal. Wer auf Vorrat kauft, schaut deshalb besser auf das Erntedatum als auf den Preis – ein getestetes Bio-Öl im mittleren Literpreisbereich ist der unaufgeregte Kompromiss:

Die laufend nachgeführte Tabelle mit den aktuellen Literpreisen der Schweizer Ketten steht auf unserer Preisseite. Dort lässt sich in zwei Minuten prüfen, ob der Boden noch dort liegt, wo er am 30. September lag.

Was diese Seite nicht kann

Niemand kann heute sagen, was Olivenöl im Januar 2027 kostet. Dazu müssten die Ernte abgeschlossen, der Entscheid über die Rücknahme gefallen und die Einkaufsverträge der Schweizer Ketten bekannt sein. Keines dieser drei Dinge ist im Oktober der Fall. Wer eine konkrete Zahl für 2027 nennt – ein Händler, ein Produzent, eine Webseite, auch diese –, nennt eine Vermutung.

Häufige Fragen

Soll ich Olivenöl jetzt auf Vorrat kaufen oder auf 2027 warten?

Kaufen Sie die Menge, die Sie in sechs bis neun Monaten verbrauchen – für die meisten Haushalte sind das rund zwei Liter. Die möglichen Preisunterschiede zwischen heute und dem Frühjahr liegen im Bereich einiger Franken pro Liter, der Qualitätsverlust eines zu lange gelagerten Öls ist grösser. Ein echter Vorrat über mehrere Jahre rechnet sich bei Olivenöl nie.

Wird Olivenöl 2027 günstiger?

Das lässt sich im Oktober nicht beantworten. Die spanische Ernteschätzung vom 1. Oktober 2026 nennt 1'602'596 Tonnen, 23 Prozent mehr als in der Vorkampagne – das erhält den Druck nach unten. Gleichzeitig prüft die spanische Regierung, bis zu 20 Prozent der Produktion vorübergehend vom Markt zu nehmen, und die Notierungen an der Quelle schwanken von Woche zu Woche deutlich. Wir nennen bewusst keine Zahl.

Warum widersprechen sich die Preisangaben für spanisches Olivenöl?

Weil sie unterschiedliche Zeiträume und unterschiedliche Geschäfte erfassen. POOLred wies für die Woche vom 3. bis 9. Oktober 2026 3.20 Euro pro Kilo aus, das Observatorium der Junta de Andalucía für den 8. September bis 4. Oktober 3.57 Euro. Zu Beginn der Ernte werden zudem kaum Geschäfte abgeschlossen: In einer Woche waren es 43. Je weniger Abschlüsse, desto stärker schwankt der Durchschnitt.

Sind die Schweizer Regalpreise schon gestiegen?

Nach dem derzeitigen Stand nicht. Coop erklärte Ende September 2026, bei Olivenöl seien aktuell keine Preisveränderungen festzustellen, und die Entwicklung werde sich erst nach der Ernte zwischen Oktober und Januar zeigen. Unsere Erhebung vom 30. September 2026 zeigt dasselbe Bild. Rohstoffbewegungen erreichen das Schweizer Regal ohnehin mit Verzögerung und abgeschwächt.

Woran erkenne ich beim Vorratskauf ein frisches Öl?

Am Erntedatum, nicht am Mindesthaltbarkeitsdatum. Das Erntejahr steht bei guten Ölen auf dem Rückenetikett; fehlt es, bleibt das Abfülldatum als Näherung. Dazu dunkles Glas oder Blech, kühle Lagerung und der eigene Geruchstest beim Öffnen. Öl der Ernte 2026/27 wird ab Ende Oktober gepresst und erreicht die Schweizer Regale in den Wochen danach.

Quellen