Die Provinz Valladolid steht für Wein: Ribera del Duero, Rueda, Cigales. Doch auf der Hochebene zwischen Weinbergen und Getreidefeldern ist in den letzten zwei Jahrzehnten eine neue Kultur aufgetaucht, die man hier nicht erwarten würde: der Olivenbaum. Die neuen Olivenhaine rund um Valladolid bilden neben dem Valle del Tiétar und den Arribes del Duero die dritte Olivenzone von Kastilien und León – und die jüngste.

Vom Experiment zur neuen Kultur

Laut Diario de Valladolid stieg die Olivenfläche in der Provinz innerhalb von zehn Jahren von 305 auf 1'030 Hektar (Stand 2019). Andere Erhebungen nennen für 2019 rund 840 Hektar; die Zahlen unterscheiden sich je nach Statistik. Fest steht: Der Anbau ist in kurzer Zeit gewachsen, und laut der Agrarstatistik ESYRCE 2024 hat Valladolid nach Ávila den zweithöchsten Anteil an Olivenfläche in der Region.

Anders als im Süden von Ávila oder in den Arribes gibt es hier kaum alte Olivenhaine. Die Plantagen sind neu, modern bewirtschaftet und oft bewässert. Kastilien und León zählt insgesamt gut 2'000 Hektar bewässerte Olivenhaine.

Oliduero: die Olivenöl-Marke einer Weingruppe

Ein Vorreiter ist die Gruppe Matarromera, bekannt für Weine aus der Ribera del Duero. Ab 2007 testete sie in einem «Jardín del Olivo» (Olivengarten) mehr als 30 spanische und internationale Olivensorten auf ihre Eignung für das Klima der Hochebene. 2014 eröffnete sie in Medina del Campo ihre Ölmühle, die erste Bio-Ölmühle der Provinz Valladolid.

  • Fläche: rund 140 bis 150 Hektar Olivenhaine in den Provinzen Valladolid und Zamora, überwiegend superintensiv, ein Teil biologisch.
  • Sorten: vor allem Arbequina, Picual und Arbosana, daneben Frantoio und Arróniz.
  • Kapazität: rund 450'000 Kilo Oliven, entsprechend etwa 74'000 Litern Öl pro Jahr.
  • Öle: unter anderem Oliduero Prestigio, Oliduero Ecológico und Oliduero Cosecha Temprana (frühe Ernte).
  • Anerkennung: Aufnahme in den Olivenölführer Flos Olei sowie Medaillen bei Wettbewerben.

Die Mühle nutzt nach eigenen Angaben die Olivenkerne als Biomasse zur Energiegewinnung. Die Oliven werden grün geerntet, was laut Oliduero den Polyphenolgehalt maximiert. Warum das so ist, erklärt unser Artikel über Polyphenole und Antioxidantien.

Pago de Valdecuevas und Los Vivales

Pago de Valdecuevas pflanzte 2008 Olivenbäume in Medina de Rioseco, im Norden der Provinz, und baute 2013 die erste Ölmühle der Provinz Valladolid. Die Olivenhaine liegen auf rund 850 Metern über Meer. Laut Diario de Valladolid gewann der Betrieb in einer Saison 144'000 Liter Öl, ein Viertel davon für den Export.

Almazara Los Vivales liegt in Sanzoles in der Provinz Zamora und gehört zum Grupo Olivarero del Duero. Der Betrieb bewirtschaftet nach eigenen Angaben über 100 Hektar superintensive Olivenhaine und empfängt Besucher zu Führungen und Verkostungen.

Superintensiv oder traditionell?

Die neuen Olivenhaine am Duero unterscheiden sich grundlegend von den alten Olivenhainen im Süden der Region:

Traditioneller OlivenhainSuperintensive Plantage
Pflanzabstandetwa 10 × 10 MeterHecken mit engem Abstand
Bäume pro Hektarrund 100rund 1'250 (Beispiel Oliduero)
Ernteüberwiegend von Hand oder mit Rüttlernmaschinell mit Vollerntern, ähnlich wie im Weinbau
Typische SortenLokalsorten wie Manzanilla, Carrasqueña, ZorzalArbequina, Arbosana, Picual
Beispiele in der RegionValle del Tiétar, Arribes del DueroOliduero, Los Vivales

Superintensive Anlagen ermöglichen eine schnelle Ernte zum optimalen Zeitpunkt. Das ist auf der Hochebene wichtig, wo jeder Tag vor dem ersten Frost zählt. Traditionelle Haine mit Lokalsorten stehen dagegen für Vielfalt und regionale Eigenständigkeit.

Frost und frühe Ernte

Die Hochebene um Valladolid hat lange, kalte Winter. Die Produzenten ernten deshalb früh, meist im November. Das hat seinen Preis: Bei Oliduero liefern die Oliven in normalen Jahren 16 bis 17 Prozent Öl, in kalten Jahren mit vorgezogener Ernte nur rund 14 Prozent. Dafür sind die Öle grün, fruchtig und reich an Bitterstoffen.

Ein Beispiel für ein anderes nördliches Anbaugebiet, das mit Arbequina und Arbosana Spitzenöle erzeugt, ist Artajo in Navarra.

Häufige Fragen

Wachsen in der Provinz Valladolid wirklich Oliven?

Ja. Seit 2008 sind vor allem um Medina del Campo und Medina de Rioseco moderne Olivenplantagen entstanden. Laut Diario de Valladolid umfasste die Olivenfläche der Provinz 2019 rund 1'030 Hektar, andere Statistiken nennen etwas weniger.

Was bedeutet superintensiver Olivenanbau?

Die Bäume werden in dichten Hecken gepflanzt, bei Oliduero rund 1'250 pro Hektar statt etwa 100 im traditionellen Olivenhain. So können Vollernter die Oliven schnell und zum gewünschten Zeitpunkt ernten.

Kann man Oliduero besuchen?

Ja. Besuche der Ölmühle in Medina del Campo lassen sich über das Önotourismus-Angebot der Familie Matarromera buchen. Auch Los Vivales in Sanzoles (Zamora) bietet Führungen mit Verkostung an.

Warum ist die Ölausbeute in kalten Jahren tiefer?

Um Frostschäden zu vermeiden, werden die Oliven früher geerntet. Unreife Oliven enthalten weniger Öl: Bei Oliduero sinkt die Ausbeute dann von 16 bis 17 auf rund 14 Prozent.

Quellen