«Was isst ein Profifussballer?» ist eine der beliebtesten Suchanfragen im Sport – und eine der am schlechtesten belegten. Zu den Speiseplänen einzelner Spieler oder Schweizer Klubs gibt es keine öffentlich zugänglichen, zitierfähigen Quellen. Wir schreiben darum nicht, welches Öl in der Küche eines Super-League-Klubs steht. Was es gibt, sind zwei harte Dinge: Schweizer Empfehlungen für die Sporternährung, die Olivenöl namentlich nennen, und eine Forschungslage zu Olivenöl-Polyphenolen, die genauer ist, als der Werbetext auf der Flasche vermuten lässt – und auch enger.
Was die Schweizer Sporternährung wirklich sagt
Die Lebensmittelpyramide für Sportlerinnen und Sportler ist das Referenzdokument. Sie stammt vom Swiss Forum for Sport Nutrition beziehungsweise der Swiss Sports Nutrition Society (SSNS), entstand in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und dem Bundesamt für Sport BASPO und baut auf der Lebensmittelpyramide der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung auf. Die SSNS ist die anerkannte Partnerorganisation von Swiss Olympic für Sporternährung.
Auf der Ebene «Öle, Fette und Nüsse» steht dort wörtlich: pro Tag eine Portion von 10 bis 15 Gramm – «2–3 Kaffeelöffel» – Pflanzenöl für die kalte Küche, «z.B. Raps- oder Olivenöl», und eine weitere Portion von 10 bis 15 Gramm für die warme Küche, «z.B. Olivenöl». Dazu bei Bedarf 10 Gramm Streichfett. Und der Punkt, der den Sport betrifft: pro Stunde Sport eine halbe Portion zusätzlich aus dieser Gruppe.
Die Zielgruppe ist präzise beschrieben: gesunde Erwachsene, die an den meisten Tagen der Woche etwa eine Stunde oder mehr mit mindestens mittlerer Intensität aktiv sind, also rund fünf Stunden Training pro Woche erreichen. Und «mittlere Intensität» definiert das Dokument selbst – über den Fussball: Es nennt die «Stop and Go»-Belastung eines durchschnittlichen Eishockey-, Fussball- oder Tennisspiels, alternativ etwa 8 Kilometer pro Stunde Joggen oder rund 2 Watt pro Kilogramm Körpermasse auf dem Veloergometer. Die Portionengrössen richten sich nach der Körpermasse: die kleinsten für 50 Kilogramm, die grössten für 85 Kilogramm.
Für einen Amateurfussballer mit zwei Trainings und einem Spiel pro Woche heisst das konkret: rund 20 bis 30 Gramm Öl pro Tag als Basis und an Trainingstagen etwas mehr. Olivenöl ist dabei ausdrücklich genannt – aber als eine von zwei Optionen, neben Rapsöl. Wer das Gegenteil behauptet, überinterpretiert das Dokument.
Warum die Empfehlung überhaupt auf Olivenöl fällt
Natives Olivenöl extra besteht überwiegend aus einfach ungesättigten Fettsäuren und bringt zusätzlich Polyphenole mit, die in raffinierten Ölen fehlen. Für die warme Küche spricht seine Stabilität: Wie hoch man ein natives Olivenöl extra erhitzen kann und wo der Rauchpunkt wirklich liegt, haben wir in Mit Olivenöl braten aufgeschlüsselt. Was Polyphenole sind und wie stark sie zwischen Ölen schwanken, steht in Polyphenole und Antioxidantien im Olivenöl.
Offiziell zugelassen ist zu diesen Polyphenolen in der EU genau eine gesundheitsbezogene Aussage: dass sie dazu beitragen, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen – bei mindestens 5 Milligramm Hydroxytyrosol und Derivaten pro 20 Gramm Öl und einer täglichen Aufnahme von 20 Gramm (Verordnung (EU) Nr. 432/2012). Das ist eine enge Aussage über Blutfette, keine über Leistung, Muskelaufbau oder Regeneration.
Belastungsstress: was gemessen wurde – und womit
Hier liegt die häufigste Verwechslung. Die Studien, die bei Sport messbare Effekte zeigen, arbeiten meist nicht mit Olivenöl, sondern mit konzentrierten Olivenextrakten.
Eine Arbeitsgruppe um James D. Roberts prüfte ein Phytokomplex-Getränk aus Olivenfruchtwasser (OliPhenolia) mit 28.8 Milligramm Hydroxytyrosol pro 28-Milliliter-Portion. 29 sportlich aktive Erwachsene nahmen 16 Tage lang zweimal täglich 28 Milliliter oder ein Placebo. In der ersten Publikation (Nutrients 2022) war die Aktivität der Superoxiddismutase nach Belastung unter dem Extrakt niedriger und das reduzierte Glutathion höher; Malondialdehyd und Katalase zeigten keinen Unterschied. In der zweiten (Nutrients 2023) verbesserten sich die Sauerstoffaufnahme-Kinetik am Belastungsbeginn, die Laufökonomie an der ersten Laktatschwelle und das Belastungsempfinden – die Zeit bis zur Erschöpfung stieg in beiden Gruppen ähnlich, ohne signifikanten Unterschied.
Das ist ein ernstzunehmender Befund, aber er gilt für ein hochdosiertes Extraktgetränk, nicht für zwei Kaffeelöffel Olivenöl im Salat. Wer die Dosis nachrechnet: 57.6 Milligramm Hydroxytyrosol pro Tag entsprechen nach unserer Rechnung dem, was rund 230 Gramm eines Öls an der EFSA-Schwelle liefern würden. So viel isst niemand.
Direkt mit Öl gearbeitet hat die Gruppe um Sanchez-Rodriguez (Nutrients 2019): 51 gesunde Erwachsene nahmen in einem doppelblinden Crossover-Versuch je drei Wochen täglich 30 Milliliter dreier Öle mit unterschiedlichem Gehalt an Phenolen und Triterpenen (124 bis 490 ppm Phenole). Das zusätzlich mit Triterpenen angereicherte Öl senkte den DNA-Schädigungsmarker 8-OHdG im Urin und TNF-alpha gegenüber dem phenolreichen Vergleichsöl, Interleukin-8 auch gegenüber dem Standardöl. Das ist Biochemie an gesunden Erwachsenen, nicht Leistung im Spiel – aber es ist mit realistischen Mengen Öl gemessen.
Mediterrane Ernährung und Leistung: der ehrliche Forschungsstand
Olivenöl ist im Sport fast immer Teil eines Musters, nicht eine Einzelmassnahme. Eine systematische Übersicht von Bianchi und Kolleginnen (Nutrients 2024) fasste acht Interventionsstudien mit insgesamt 116 Teilnehmenden zusammen – von Profi-Handballerinnen und Volleyballspielern bis zu CrossFit-Trainierenden. Befunde: die gesamte antioxidative Kapazität im Plasma stieg, Marker für oxidativen Stress und Entzündung sanken, die Ergebnisse zur Körperzusammensetzung waren gemischt. Die Autorinnen nennen kleine Stichproben und kurze Interventionen ausdrücklich als Einschränkung.
Die am häufigsten zitierte Einzelstudie ist ein randomisierter Crossover-Versuch von Baker und Kolleginnen (2019) mit elf sportlich aktiven Personen: Nach vier Tagen mediterraner Ernährung liefen sie fünf Kilometer im Schnitt 6 Prozent schneller als nach vier Tagen westlicher Kost, bei anaeroben Tests zeigte sich kein Unterschied. Elf Personen sind elf Personen – daraus folgt kein Trainingsplan.
Wie ernst diese Einschränkung ist, hat eine Übersicht von Massart und Kolleginnen (Journal of Functional Morphology and Kinesiology 2025) durchgerechnet: Nur etwa 40 Prozent der ausgewerteten Studien fanden signifikante Leistungsverbesserungen, und diese litten unter heterogenen Gruppen, fehlender Kontrolle der Kohlenhydratzufuhr und mangelhaften Ernährungsprotokollen. Der nüchterne Stand ist also: plausibel, teilweise gestützt, nicht bewiesen.
Was wir über Fussballer nicht sagen können
Die UEFA-Expertengruppe zur Ernährung im Spitzenfussball (Collins et al., British Journal of Sports Medicine 2021) hält fest, dass Ernährung eine integrierte Rolle für Leistung und Gesundheit über die Saison spielt, und arbeitet neun Themenfelder ab – von Spieltag und Trainingstag bis Supplemente und Rehabilitation. Ein Öl kürt sie nicht. Und zu einzelnen Spielern, Vereinsküchen oder Schweizer Klubdiäten haben wir keine zitierfähige Quelle gefunden. Solche Behauptungen kursieren im Netz reichlich; nachprüfbar ist keine davon.
Praxis: Olivenöl im Einkaufskorb einer Sportlerin
Was daraus für den Schweizer Supermarkt folgt, ist unspektakulär und billig:
- Menge: 2 bis 3 Kaffeelöffel für die kalte und ebenso viel für die warme Küche, plus eine halbe Portion pro Trainingsstunde – so steht es in der Pyramide.
- Kosten: 30 Gramm Öl entsprechen rund 33 Millilitern. Bei einem Literpreis von CHF 21.50, dem Preis des 2025 bestbewerteten Öls im Kassensturz-Test, sind das nach unserer Rechnung etwa 70 Rappen pro Tag.
- Auswahl: «natives Olivenöl extra», dunkle Flasche, Erntedatum oder Erntejahr auf der Etikette. Ein Öl mit hohem Polyphenolgehalt schmeckt bitter und scharf im Rachen – das ist ein Merkmal, kein Fehler.
- Nicht nötig: Extrakte, Kapseln oder «Sport»-Öle. Die einzige zugelassene Aussage bezieht sich auf 20 Gramm Öl täglich – ein Lebensmittel, kein Präparat.
Was regelmässiger Konsum jenseits des Sports laut Studienlage bringt, haben wir in Täglich Olivenöl zusammengefasst; ob es das Leben verlängert, prüfen wir anhand der Sterblichkeitsstudien. Und weil die Menge bei täglichem Gebrauch spürbar ins Budget geht, lohnt der Blick auf die Literpreise in unserer Übersicht der Olivenölpreise in der Schweiz.
Häufige Fragen
Wie viel Olivenöl sollte ein Sportler pro Tag verwenden?
Die Lebensmittelpyramide für Sportlerinnen und Sportler nennt je eine Portion von 10 bis 15 Gramm für die kalte und die warme Küche, plus eine halbe Portion pro Stunde Sport. Olivenöl ist dabei eine von mehreren genannten Fettquellen, nicht die einzige.
Verbessert Olivenöl die sportliche Leistung?
Belegt ist das nicht. Positive Effekte auf Belastungsstress wurden vor allem mit hochdosierten Olivenextrakten gemessen. Für die mediterrane Ernährung insgesamt gibt es Hinweise auf bessere Ausdauerleistung, aber die Studien sind klein und methodisch schwach.
Hilft Olivenöl bei der Regeneration?
In der Studie von 2023 erreichten die Teilnehmenden nach dem Extraktgetränk schneller 50 Prozent des Sauerstoffaufnahme-Werts vom Belastungsende. Für Olivenöl in üblichen Küchenmengen fehlt ein vergleichbarer Nachweis.
Was essen Profifussballer wirklich?
Dazu gibt es keine belastbaren öffentlichen Quellen zu einzelnen Spielern oder Schweizer Klubs. Die UEFA-Expertengruppe beschreibt allgemeine Prinzipien für den Spitzenfussball, nennt aber keine Markenempfehlungen.
Reicht ein günstiges Olivenöl aus dem Supermarkt?
Für die Fettzufuhr ja. Für Polyphenole zählt die Qualität: Erntedatum, dunkle Flasche und ein bitter-scharfes Profil sind bessere Anhaltspunkte als der Preis allein.
Quellen
- Swiss Forum for Sport Nutrition / Swiss Sports Nutrition Society: Lebensmittelpyramide für Sportlerinnen und Sportler, Version 1.1 (PDF)
- Swiss Sports Nutrition Society: Lebensmittelpyramide für Sportler/innen
- Swiss Olympic: Sporternährung (Partnerorganisation SSNS)
- Roberts JD et al.: The Impact of a Natural Olive-Derived Phytocomplex (OliPhenolia) on Exercise-Induced Oxidative Stress in Healthy Adults. Nutrients 2022;14(23):5156
- Roberts JD et al.: The Effect of a Hydroxytyrosol-Rich, Olive-Derived Phytocomplex on Aerobic Exercise and Acute Recovery. Nutrients 2023;15(2):421
- Sanchez-Rodriguez E et al.: Effects of Virgin Olive Oils Differing in Their Bioactive Compound Contents on Biomarkers of Oxidative Stress and Inflammation in Healthy Adults. Nutrients 2019;11(3):561
- Bianchi E et al.: Impact of the Mediterranean Diet on Athletic Performance, Muscle Strength, Body Composition, and Antioxidant Markers. Nutrients 2024;16(20):3454
- Massart A et al.: Why Is the Association Between Mediterranean Diet and Physical Performance in Athletes Inconclusive? J Funct Morphol Kinesiol 2025;10(1):16
- Collins J et al.: UEFA expert group statement on nutrition in elite football. Br J Sports Med 2021;55(8):416
- EUR-Lex: Verordnung (EU) Nr. 432/2012 – Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben
- SRF Kassensturz: Olivenöl im Test – «Extra vergine» oder nicht (02.09.2025)
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich an eine Fachperson.


