Wer «bestes Olivenöl Schweiz» sucht, landet meistens in einem deutschen Onlineshop oder bei einem Vergleichsportal, das in Euro rechnet und das deutsche Regal meint. Dabei gibt es eine Auszeichnung für Olivenöl, die eine Schweizer Adresse hat: den Olive Oil Award – Zurich der ZHAW in Wädenswil.
Dieser Artikel erklärt, wer diesen Preis vergibt, wie ein Öl überhaupt in den Wettbewerb kommt, was Gold, Silber und Bronze in Zahlen bedeuten – und warum eine Goldmedaille keine Einkaufsempfehlung für den nächsten Samstag ist. Welche Flaschen aus dem Schweizer Regal tatsächlich geprüft wurden, steht dagegen im Olivenöl-Test Schweiz; das ist eine andere Art von Urteil, und der Unterschied ist der Kern dieser Seite.
Wer den Preis vergibt: die ZHAW in Wädenswil
Veranstalterin ist die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), Departement Life Sciences und Facility Management, am Standort Wädenswil am Zürichsee. Der Wettbewerb läuft seit 2002; die Ausgabe 2026 war das 25. Projektjahr, und die ZHAW verkündete die Resultate am 22. Mai 2026.
Der entscheidende Unterschied zu den meisten Olivenöl-Wettbewerben: Beurteilt wird nicht von einer Expertenjury, sondern seit 2002 von einem geschulten sensorischen Prüfpanel, dem Swiss Olive Oil Panel. Laut ZHAW ist es nach ISO 17025 akkreditiert und vom Internationalen Olivenrat anerkannt.
Es ist dasselbe Panel, dessen Urteile Sie aus den Schweizer Degustationstests kennen: Es verkostete die Kassensturz-Tests und den gemeinsamen Test von Kassensturz und K-Tipp vom 2. September 2025. Wie aus einer Prüfergruppe eine Zahl wird und was «nur vergine» heisst, steht in Olivenöl-Panel: was die Noten im Schweizer Test heissen. Hier geht es um den Preis, nicht um die Methode.
Bewertet werden laut ZHAW Fehlerfreiheit, Ausgewogenheit und Balance, Reinheit und aromatische Komplexität. Wichtig ist die Reihenfolge: Fehlerfreiheit ist keine Auszeichnung, sondern die Eintrittskarte. Ein Öl, das sich «natives Olivenöl extra» nennen darf, muss von Gesetzes wegen frei von wahrnehmbaren Fehlern sein. Die Medaille entscheidet sich danach – an Ausgewogenheit und aromatischer Komplexität.
Wie ein Öl überhaupt in den Wettbewerb kommt
Hier liegt der grösste Unterschied zu einem Test, und er wird fast immer übersehen: Beim Award kauft niemand eine Flasche im Laden. Die Teilnehmenden melden sich selbst an. Teilnahmeberechtigt sind nach dem Reglement Produzenten, Importeure und Detailhändler; mit der Anmeldung stimmen sie der sensorischen Beurteilung durch das Panel zu.
Der Ablauf ist in den Reglementen der ZHAW festgehalten und von Jahr zu Jahr ähnlich:
- Zugelassen sind ausschliesslich native Olivenöle extra, in Originalgebinden und mit Originaletikette, konform mit den schweizerischen, EU- oder COI-Vorgaben.
- Angemeldet wird online, Monate vor der Preisverleihung: Für die Ausgabe 2026 lief die Frist im Februar 2026. Jedes Öl erhält eine Teilnahmenummer, die auf den Gebinden sichtbar sein muss.
- Eingesandt werden pro Öl mindestens vier Einheiten mit insgesamt mindestens drei Litern – etwa sechs Flaschen zu 500 ml. Versand und allfällige Zollgebühren zahlt die teilnehmende Firma, und die Öle gehen ins Eigentum der Veranstalterin über.
- Bezahlt wird eine Teilnahmegebühr pro Öl. Im Reglement 2026 waren das CHF 600 für das erste und CHF 300 für jedes weitere Öl; die Ansätze stehen im Reglement des jeweiligen Jahres.
Für die Beurteilung heisst das zweierlei. Erstens: Das Teilnehmerfeld ist selbst gewählt. Angetreten sind Öle, deren Hersteller genug Vertrauen in die eigene Charge hatte, um eine vierstellige Summe und drei Liter Ware zu investieren. Ein Öl, das niemand anmeldet, kann auch nicht gewinnen. Zweitens: Eine fehlende Medaille ist kein schlechtes Zeugnis, sondern meistens gar kein Zeugnis.
Genau umgekehrt arbeiten die Schweizer Konsumententests. Kassensturz, K-Tipp, die FRC und die Kantonslabors kaufen anonym im Laden, prüfen auch das, was niemand prüfen lassen wollte – und holen deshalb die Rückstufungen auf «vergine» heraus, die in einem Wettbewerb strukturell nicht vorkommen.
Was Gold, Silber und Bronze in Zahlen aussagen
Die Medaillen sind keine Rangliste mit festen Quoten: In jeder der drei Stufen kann es mehrere Preisträger geben. Wie viele es sind, zeigt der Vergleich der letzten Ausgaben.
| Jahr | Beurteilte Öle | Gold | Silber | Bronze |
|---|---|---|---|---|
| 2026 (25. Projektjahr) | 98 aus zehn Ländern und Regionen | 5 | 27 | 24 |
| 2025 | 112 aus zehn Ländern | 6 | 20 | 23 |
| 2024 | 102 aus zehn Ländern | 10 | 21 | 26 |
Daraus lassen sich drei nüchterne Schlüsse ziehen:
- Gold ist schmal. 2026 gingen fünf von 98 Ölen mit Gold nach Hause, 2025 sechs von 112 – jeweils rund fünf Prozent des Feldes. Das ist eine echte Spitze.
- Eine Medaille an sich ist breit. 2026 erhielten 56 der 98 angetretenen Öle irgendeine Auszeichnung, also mehr als die Hälfte. Bronze heisst: in der besseren Hälfte eines Feldes, das ohnehin nur aus fehlerfreien Ölen besteht. Das ist respektabel und kein Alleinstellungsmerkmal.
- Die Zahlen schwanken. 2024 wurden zehn Goldmedaillen vergeben, acht davon an spanische Öle, je eine an ein italienisches und ein portugiesisches. «Gold 2024» und «Gold 2026» sind deshalb nicht dieselbe Hürde; das Jahr auf der Flasche gehört zur Aussage.
Welches Öl welche Medaille erhielt, publiziert die ZHAW auf der offiziellen Seite des Awards; der Link steht unten in den Quellen. Wir geben hier bewusst keine Namen weiter: Bei fünf Goldmedaillen wäre jede Zuschreibung aus zweiter Hand ein Ratespiel.
«Public OLIO»: der Publikumspreis ist ein anderes Urteil
Neben der Expertenprüfung läuft ein zweiter, getrennter Durchgang: ein Konsumententest, aus dem der Publikumspreis OLIO hervorgeht. Beurteilt wird dort nicht von geschulten Prüfern, sondern von Laien, die die Öle auf Beliebtheit bewerten. Erstmals vergeben wurde der Preis 2023; damals bewerteten rund 60 private Testpersonen pro Öl alle 119 angemeldeten Öle in den Monaten März und April. In der Ausgabe 2026 zeichnete das Publikum laut ZHAW zwölf Öle aus.
Für den Einkauf sind das zwei verschiedene Informationen. Die Panel-Medaille sagt, wie sauber und komplex ein Öl nach genormten Kriterien ist. Der Publikumspreis sagt, wie gut es Laien geschmeckt hat – was bei kräftigen, bitteren Ölen durchaus auseinandergehen kann.
Warum ein Gold nicht ins Migros-Regal führt
Das ist der praktische Haken, und er folgt direkt aus dem Reglement. Angemeldet werden Öle von Produzenten, Importeuren und Händlern aus zehn Ländern – viele davon kleine Betriebe, die ihre Flaschen aus dem Erzeugerland nach Wädenswil schicken. Nichts im Wettbewerb verpflichtet jemanden, das prämierte Öl danach in der Schweiz zu vertreiben. Drei Punkte, die Sie beim Lesen einer Medaille mitdenken sollten:
- Die Medaille gehört zur eingereichten Partie. Beurteilt wurde die eingesandte Charge einer Ernte, nicht die Marke auf Jahre hinaus. Olivenöl verändert sich von Erntejahr zu Erntejahr stärker als fast jedes andere Lebensmittel im Regal.
- Verfügbarkeit ist nicht Teil der Prüfung. Ein Goldöl kann ein Hofabfüller mit wenigen tausend Flaschen sein. Suchen Sie den Produzentennamen aus der ZHAW-Liste, nicht die Supermarktmarke.
- Nicht verwechseln: Es gibt mehrere Olivenöl-Auszeichnungen mit ähnlichem Klang, etwa den Feinschmecker Olio Award – ein anderer Wettbewerb mit anderer Veranstalterin. Eine Medaille auf dem Etikett ist nur so viel wert, wie Sie über den Wettbewerb dahinter wissen.
Wo sich das Urteil dieses Panels an einer Flasche aus dem Schweizer Regal ablesen lässt, sind die Degustationstests. Am 2. September 2025 bewertete dasselbe Swiss Olive Oil Panel für Kassensturz und K-Tipp 13 der meistverkauften «Extra vergine»-Öle; am besten schnitt mit 7 von 10 Punkten das Bio-Öl von Manor ab, dicht gefolgt vom griechischen Iliada von Coop.
Manor Bio Olivenöl nativ extra, 1 l
Italien · Bio
CHF 21.501 L · CHF 21.50 pro Liter
Kassensturz / K-Tipp 2025: sehr gut Preis prüfenDiese beiden Wege lassen sich kombinieren: Die Medaillenliste der ZHAW zeigt, was ein sauberes, komplexes Öl überhaupt leisten kann; die Schweizer Tests und die Preisübersicht zeigen, was davon hier erhältlich und bezahlbar ist. Unsere Empfehlung pro Kette steht in Bestes Olivenöl in der Schweiz, und was die geprüften Flaschen aktuell kosten, mit Literpreis und Erhebungsdatum, auf der Seite Olivenöl-Preise in der Schweiz.
Was die Medaille Ihnen als Käufer bringt
Unterm Strich ist der Award auf zwei Arten nützlich. Als Qualitätsmassstab: Die Goldliste zeigt, was ein natives Olivenöl extra überhaupt leisten kann – vorausgesetzt, Sie bestellen beim Produzenten oder einem Importeur. Und als Vertrauensanker für die Schweizer Tests: Das Panel, das diese Medaillen vergibt, ist dasselbe, das bei Kassensturz Flaschen auf «vergine» zurückstuft. Wer die Medaille ernst nimmt, muss die Rückstufung ebenso ernst nehmen.
Was die Medaille nicht ist: ein Preisurteil, ein Haltbarkeitsversprechen und keine Aussage über eine Flasche, die zwei Ernten später im Regal steht.
Häufige Fragen
Was ist der Olive Oil Award – Zurich?
Ein Olivenöl-Wettbewerb der ZHAW in Wädenswil, der seit 2002 läuft; 2026 war das 25. Projektjahr. Eingesandte native Olivenöle extra werden vom Swiss Olive Oil Panel sensorisch beurteilt und mit Gold, Silber oder Bronze ausgezeichnet. Die Resultate der Ausgabe 2026 wurden am 22. Mai 2026 verkündet.
Wie viele Öle haben 2026 eine Medaille erhalten?
Von 98 beurteilten nativen Olivenölen extra aus zehn Herkunftsländern und -regionen erhielten fünf Gold, 27 Silber und 24 Bronze – zusammen 56 Öle, also mehr als die Hälfte des Feldes. Gold ging damit an rund fünf Prozent der Teilnehmer.
Wo finde ich die Gewinnerliste 2026?
Auf der offiziellen Seite des Awards bei der ZHAW, verlinkt unten in den Quellen. Dort steht, welches Öl welche Medaille erhalten hat, inklusive Produzent und Herkunft. Wir geben hier keine Namen weiter, weil die Zuordnung Öl zu Medaille nur an dieser Quelle verbindlich ist.
Kann ich ein Goldöl der ZHAW im Schweizer Supermarkt kaufen?
In der Regel nicht ohne weiteres. Die Öle werden von Produzenten, Importeuren und Händlern selbst angemeldet und aus dem Erzeugerland nach Wädenswil geschickt; eine Verfügbarkeit bei Migros, Coop, Denner oder Manor ist nicht Teil des Wettbewerbs. Verlässlicher ist der Weg über die Schweizer Degustationstests, in denen Flaschen aus dem Regal geprüft werden.
Ist eine Goldmedaille mehr wert als «extra vergine» auf dem Etikett?
Sie sagt etwas anderes aus. «Natives Olivenöl extra» ist eine gesetzliche Güteklasse mit einer Mindestanforderung: kein wahrnehmbarer Fehler. Die Medaille wird darüber hinaus für Ausgewogenheit, Reinheit und aromatische Komplexität vergeben – aber nur unter den Ölen, die angemeldet wurden. Die Klasse muss jede Flasche erfüllen, zur Medaille muss man antreten.
Was kostet die Teilnahme am Wettbewerb?
Nach dem Reglement 2026 CHF 600 für das erste und CHF 300 für jedes weitere angemeldete Öl, dazu Versand und allfällige Zollgebühren; pro Öl sind mindestens vier Einheiten mit insgesamt drei Litern einzusenden. Die Ansätze des laufenden Jahres stehen im jeweils aktuellen Reglement der ZHAW.
Quellen
- ZHAW: Olive Oil Award – Zurich, offizielle Seite mit den Gewinnerlisten
- ZHAW: 25 Jahre Olive Oil Award – Zurich: ZHAW zeichnet die besten Olivenöle 2026 aus (22.5.2026)
- foodaktuell: ZHAW zeichnet die besten Olivenöle 2026 aus (28.5.2026)
- ZHAW: Expert Evaluation des Olive Oil Award, Ablauf der Panelprüfung (englisch)
- ZHAW: Regulations 2026, Teilnahmebedingungen, Anmeldefristen und Einsendung (PDF, englisch)
- ZHAW: Reglement 2026 mit Teilnahmegebühren, Mengenvorgaben und Fristen (PDF)
- ZHAW: Olive Oil Award 2026, Seite der Jubiläumsausgabe
- ZHAW: Olivenöle mit Charakter – die Gewinner des Olive Oil Award Zurich 2025
- ZHAW: Erstmals Olivenöle aus Albanien und Japan beim Olive Oil Award (Ausgabe 2024)
- ZHAW Wädenswil: Sensorische Beurteilung und Swiss Olive Oil Panel
- SRF Kassensturz: Olivenöl «Extra vergine» im Test: Zwei mit Note «sehr gut» (2.9.2025)
- ZHAW: Olive Oil Award – Zurich, englische Fassung der offiziellen Seite



