Das Baskenland gilt als eine der grossen Genussregionen Europas: Pintxos in San Sebastián, Kabeljau im Pil-Pil, Txakoli und Rioja-Weine. Weniger bekannt ist, dass hier auch natives Olivenöl extra entsteht. Im Süden der Provinz Álava, in der Weinbauregion Rioja Alavesa am Ebro, wachsen zwischen den Reben Olivenbäume. Ihr Öl trägt seit 2012 das baskische Gütezeichen Eusko Label.
Was ist Eusko Label?
Eusko Label ist ein Qualitätszeichen, das Agrar- und Lebensmittelprodukte aus der Autonomen Gemeinschaft Baskenland auszeichnet. Das Logo zeigt ein grosses «K» für «Kalitatea», baskisch für Qualität. Das Zeichen garantiert Herkunft, Echtheit und eine Qualität, die über Kontrollen überprüft wird.
- 1989: Die baskische Regierung schafft mit dem Dekret 203/1989 die Marke Eusko Label und ihren Regulierungsrat.
- 1992: Die ersten Produkte mit Eusko Label kommen in den Handel.
- 1998: Das Landwirtschaftsdepartement der baskischen Regierung gründet die Stiftung Kalitatea, die das Zeichen seither verwaltet. Eusko Label bleibt unter dem Schutz der Regierung.
- Heute: Die Kontrolle und Zertifizierung liegt bei HAZI, der Stiftung der baskischen Regierung für ländliche Entwicklung.
Zu den Produkten mit Eusko Label gehören unter anderem Rindfleisch, Milchlamm, Honig, Eier, Milch, Thunfisch, Kartoffeln, Paprika aus Gernika und Ibarra, Tomaten, Bohnen und Apfelwein. Zwei davon, das baskische Rindfleisch und die Gernika-Paprika, sind zusätzlich von der EU als geschützte geografische Angabe bzw. Ursprungsbezeichnung anerkannt. Ziel ist es, Konsumentinnen und Konsumenten Qualität und Herkunft zu garantieren und die Arbeit der baskischen Produzenten gegenüber günstiger Importware zu stärken.
Olivenöl mit Eusko Label seit 2012
Im März 2012 gab die baskische Regierung das native Olivenöl extra als neues Eusko-Label-Produkt bekannt. Die Regierung verband damit mehrere Ziele: die Landwirtschaft in Álava breiter aufzustellen, den traditionellen Olivenanbau im Süden der Provinz wiederzubeleben und den Weinbau zu ergänzen.
Damals zählte Álava rund 250 Hektar Olivenhaine, geschätzt wurden etwa 80'000 Liter Öl produziert. Im ersten Jahr wurden 45,8 Hektar kontrolliert; die Regierung rechnete mit rund 7'500 Litern zertifiziertem Öl und einem Potenzial von bis zu 20'000 Litern.
Das Öl stammt überwiegend aus der Sorte Arróniz. Es wird ausschliesslich mechanisch und kalt gewonnen. Laut Beschreibung der Regierung reichen die Aromen von grüner Olive über Gewürze bis zu reifer Olive; im Mund ist es leicht bis mittel bitter und scharf, mit den für Arróniz typischen Noten von Banane und Artischocke. Das ist das Profil eines mittleren Öls, und welche Gerichte dazu passen, steht in unserem Leitfaden zum Kombinieren von Olivenöl und Essen nach Intensität.
Rioja Alavesa: 2000 Jahre Olivenanbau
Laut der Vereinigung APRORA, die Olivenbaum und Olivenöl der Rioja Alavesa fördert, reicht der Olivenanbau in der Region über 2000 Jahre zurück und kam mit den Römern. Auf dem Höhepunkt umfasste er 1100 Hektar, heute sind es gut 300 Hektar.
- Moreda de Álava: Die Genossenschaft La Equidad ist seit 1947 ein Bezugspunkt für die Ölverarbeitung. Rund 100 Mitglieder aus acht Gemeinden liefern ihre Oliven; die Mühle verarbeitet etwa 150'000 Kilo pro Jahr. Neben der modernen Anlage aus dem Jahr 2000 steht die alte Ölmühle von 1947, die heute als Museum dient. Führungen sind nach Voranmeldung kostenlos. Das Öl trägt Eusko Label und ist biologisch zertifiziert.
- Lanciego: Hier steht die älteste erhaltene Ölmühle der Region, die noch in Betrieb ist und jährlich rund 80'000 Kilo Oliven verarbeitet.
- Barriobusto: Ein kleines Museum zeigt die handwerkliche Ölherstellung.
- Fiesta del Aceite: Seit 2010 feiert die Region ihr Olivenöl mit einem eigenen Fest. Die 13. Ausgabe fand am 14. und 15. März 2026 in Oyón und Moreda statt, mit Verkostungen, Mühlenbesuchen und einem Geschmackslabor von Slow Food.
Arróniz: die Olive des Nordens
Arróniz stammt aus Navarra und Álava und ist nach dem navarresischen Ort Arróniz benannt. Die Sorte gilt als besonders kälteresistent, blüht spät und reift mittelfrüh, was sie gut an das Klima der Rioja Alavesa anpasst.
Arróniz-Öle haben eine mittlere bis intensive Fruchtigkeit mit grünen Noten sowie eine charakteristische, ausgewogene Bitterkeit und Schärfe. Wird früh geerntet, sind beide stärker ausgeprägt. Die Öle gelten als stabil und eignen sich roh wie zum Braten. In Navarra ist Arróniz die Leitsorte der DOP Aceite de Navarra: Ein DOP-Öl muss mehr als 10 Prozent Arróniz enthalten. Ein weiteres Beispiel für Spitzenöl aus dem Norden Spaniens ist Artajo in Navarra.
Marken mit Eusko Label
Die Produktion ist klein, entsprechend überschaubar ist das Angebot. Beispiele für Öle mit Eusko Label aus Arróniz:
- La Equidad – das Öl der Genossenschaft aus Moreda de Álava, unter anderem im Gourmet-Sortiment von El Corte Inglés erhältlich.
- Ostatu – Arróniz-Öl der gleichnamigen Weinkellerei aus der Rioja Alavesa.
- Entreviñedos – Olivenöl der Bodegas José Córdoba aus der Rioja Alavesa.
Dass gerade Weinkellereien Olivenöl mit Eusko Label abfüllen, passt zur Region: Olivenbäume und Reben teilen sich hier seit Jahrhunderten die Hänge. Auch neue Projekte wie Erroiz in Lanciego oder Oliolive in Moreda setzen auf Olivenöl und Oleotourismus.
Olivenöl in der baskischen Küche
Die baskische Küche ist ohne Olivenöl kaum denkbar. Einige Klassiker:
- Bacalao al Pil-Pil: Kabeljau in einer Sauce, die nur aus Olivenöl, Knoblauch und der Gelatine des Fisches entsteht.
- Kokotxas en salsa verde: Kehlstücke von Seehecht oder Kabeljau in einer grünen Sauce aus Olivenöl, Knoblauch und Petersilie.
- Marmitako: Eintopf aus Thunfisch, Kartoffeln und Paprika, der mit Olivenöl angesetzt wird.
- Piperrada: in Olivenöl geschmorte Paprika, Zwiebeln und Tomaten.
- Gilda: der bekannteste Pintxo aus San Sebastián – Olive, Sardelle und eingelegte Chilischote am Spiess, oft mit einem Schuss Olivenöl.
Rezept: Bacalao al Pil-Pil
Zutaten für 4 Personen: 4 entsalzene Kabeljaurückenstücke mit Haut (je etwa 180 g), 250 ml natives Olivenöl extra, 4 Knoblauchzehen, 1 kleine getrocknete Chilischote.
- Kabeljau gut trocken tupfen. Knoblauch in dünne Scheiben schneiden.
- Olivenöl in einer Tonpfanne oder breiten Pfanne bei niedriger Hitze erwärmen. Knoblauch und Chili darin langsam goldgelb ziehen lassen, herausnehmen und beiseitestellen.
- Das Öl etwas abkühlen lassen. Kabeljau mit der Hautseite nach oben hineinlegen und bei sehr niedriger Hitze 5 Minuten garen, wenden und weitere 8 bis 10 Minuten ziehen lassen, bis der Fisch weisse Gelatine abgibt.
- Fisch herausnehmen. Die Pfanne mit dem lauwarmen Öl kreisend schwenken oder mit einem Sieb rühren, bis Öl und Gelatine zu einer hellen, dickflüssigen Sauce binden.
- Kabeljau zurück in die Sauce legen, kurz erwärmen und mit Knoblauch und Chili servieren.
Tipp: Ein sehr kräftiges, bitteres Öl kann die Sauce dominieren. Wer den Geschmack milder mag, mischt Arróniz mit einem sanfteren Öl, zum Beispiel aus Arbequina.
Eusko-Label-Olivenöl in der Schweiz kaufen
Die kleinen Mengen werden vor allem im Baskenland und über Online-Shops der Produzenten und spanischer Feinkosthändler verkauft. Fragen Sie vor der Bestellung nach dem Versand in die Schweiz. Wer von einer Reise zurückkehrt: Speiseöle sind bis 5 Liter pro Person und Tag zollfrei. Achten Sie auf dem Etikett auf das «K»-Logo von Eusko Label und das Erntejahr.
Häufige Fragen
Was ist Eusko Label?
Das Gütezeichen der baskischen Regierung für Agrar- und Lebensmittelprodukte aus dem Baskenland. Es wurde 1989 geschaffen, die ersten Produkte kamen 1992 in den Handel. Heute kontrolliert die Regierungsstiftung HAZI die zertifizierten Produkte.
Woher kommt das Olivenöl mit Eusko Label?
Aus der Rioja Alavesa im Süden der Provinz Álava, zum Beispiel aus Moreda de Álava, Oyón und Lanciego. Es wird überwiegend aus der einheimischen Sorte Arróniz gewonnen.
Wie schmeckt Arróniz-Olivenöl?
Grün-fruchtig, mit ausgewogener Bitterkeit und Schärfe sowie Noten von Banane und Artischocke. Früh geerntete Öle sind intensiver.
Seit wann gibt es Olivenöl mit Eusko Label?
Seit 2012. Die baskische Regierung wollte damit den traditionellen Olivenanbau in Álava wiederbeleben und den Weinbau der Region ergänzen.
Quellen
- Wikipedia: Eusko Label
- Baskische Regierung (Euskadi.eus): Nuevo producto con Eusko Label – Aceite de Oliva Virgen Extra (30.3.2012)
- APRORA: Olivos y aceite de la Rioja Alavesa
- Turismo Vasco: Trujal de Moreda, casa del aceite Equidad
- Visit Rioja Alavesa: Oleoturismo en Rioja Alavesa
- ZUK: Oion y Moreda acogen la XIII Fiesta del Aceite de Rioja Alavesa (2026)
- Balam: Variedad de olivo Arróniz
- Reyno Gourmet: Aceite de Navarra
- El Corte Inglés Club del Gourmet: Aceite Arróniz Eusko Label La Equidad
- Bodegas Ostatu: Aceite Arróniz virgen extra Eusko Label
- BAZG: Freimengen für Lebensmittel, Alkohol und Tabak



