Tunesien ist das grösste Olivenöl-Land Afrikas. Olivenbäume prägen hier seit der Antike die Landschaft, von den Hügeln im Norden bis zu den weiten Hainen rund um Sfax. Ein grosser Teil der Ernte wird exportiert, oft als Fassware nach Spanien und Italien, zunehmend aber auch abgefüllt und biologisch.

Tunesien in Zahlen

Produktion 2024/25340'000 Tonnen (IOC, vorläufig)
Anteil an der Weltproduktionknapp 10 %
Olivenbäume und Flächeüber 120 Millionen Bäume auf mehr als 2 Millionen Hektar
Export pro Jahrrund 200'000 Tonnen
UrsprungsbezeichnungenTéboursouk (national und bei der WIPO registriert)
Wichtige SortenChemlali, Chétoui, Oueslati, Jerboui, Zalmati

Die wichtigsten Anbaugebiete

  • Sfax und der Süden: riesige, traditionell weit gepflanzte Olivenhaine im trockenen Klima, dominiert von der Sorte Chemlali, die mit wenig Wasser auskommt und milde, feine Öle liefert.
  • Sahel: die Küstenregion um Sousse, Monastir und Mahdia mit langer Olivenöl-Tradition.
  • Zentrum: Kairouan und Sidi Bouzid mit wachsenden, teils bewässerten Anlagen.
  • Norden: Béja, Siliana und Bizerte, wo die kräftigere Sorte Chétoui wächst, etwa rund um Téboursouk.

Ursprungsbezeichnung Téboursouk

Das Olivenöl von Téboursouk im Norden Tunesiens ist die erste kontrollierte Ursprungsbezeichnung (AOC) des Landes für Olivenöl. Sie wurde per Erlass des Landwirtschaftsministers vom 9. Januar 2018 anerkannt und am 3. März 2020 unter der Nummer 1150 bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) international eingetragen. Das Öl wird aus den einheimischen Sorten Chétoui, Jerboui und Sayali gewonnen und ist fruchtig, bitter und leicht scharf, mit Noten von Rosmarin, Tomate und Artischocke. Im EU-Register sind tunesische Olivenöle dagegen nicht eingetragen.

Wettbewerbe und Auszeichnungen

  • Concours de la meilleure huile d'olive vierge extra: Der nationale Wettbewerb des Office National de l'Huile (ONH) wird vom Internationalen Olivenrat unterstützt und nach den Regeln des Mario-Solinas-Preises ausgetragen. Im Dezember 2025 startete die neunte Ausgabe.
  • Mario Solinas 2025: Beim internationalen Qualitätswettbewerb des Olivenrats belegte Tunesien 2025 im Länderklassement den zweiten Platz.

Wohin Tunesien sein Olivenöl exportiert

Laut UN-Handelsstatistik (Weltbank WITS, Zolltarif 150910) verteilten sich Tunesiens Exporte von nativem Olivenöl 2023 wie folgt:

ZiellandWert (Mio. USD)Menge (Tonnen)Anteil am Exportwert
Spanien124,515'30135 %
Italien95,911'87627 %
USA65,78'22719 %
Frankreich27,83'3198 %
Kanada16,71'9185 %

Wichtig: Die unter diesem Zolltarif gemeldeten Mengen liegen deutlich unter den offiziellen tunesischen Angaben von rund 200'000 Tonnen Export pro Jahr. Die Tabelle zeigt deshalb vor allem, welche Märkte zählen: Spanien und Italien sind die wichtigsten Abnehmer, gefolgt von den USA, Frankreich und Kanada.

Drei tunesische Rezepte mit Olivenöl

Slata mechouia (Salat aus gegrilltem Gemüse)

Für 4 Personen: 4 Peperoni, 2 scharfe Chilischoten, 4 Tomaten, 1 Zwiebel, 2 Knoblauchzehen, 1 TL Kümmel, 1 Dose Thunfisch, 2 hart gekochte Eier, 5 EL natives Olivenöl extra, Zitronensaft, Salz.

  1. Peperoni, Chilis, Tomaten und Zwiebel im Ofen oder auf dem Grill schwärzen, schälen und fein hacken.
  2. Mit zerdrücktem Knoblauch, Kümmel, Salz, Zitronensaft und Olivenöl mischen.
  3. Mit Thunfisch und Eiervierteln garnieren und mit einem Faden Olivenöl servieren.

Lablabi (Kichererbsensuppe)

Für 4 Personen: 400 g gekochte Kichererbsen, 1 l Brühe, 4 Knoblauchzehen, 2 TL Kreuzkümmel, 1 EL Harissa, altbackenes Brot, Zitronensaft, 4 EL natives Olivenöl extra, Kapern, Salz.

  1. Kichererbsen mit Brühe, Knoblauch und Kreuzkümmel 15 Minuten köcheln.
  2. Brot in Schalen zerzupfen, Suppe darübergiessen.
  3. Mit Harissa, Zitronensaft, Kapern, Kreuzkümmel und reichlich Olivenöl servieren.

Ojja (Eier in Tomaten-Peperoni-Sauce)

Für 4 Personen: 4 EL natives Olivenöl extra, 2 Peperoni, 3 Knoblauchzehen, 4 Tomaten, 1 EL Tomatenpüree, 1 TL Harissa, 1 TL Kümmel, 4 Eier, Salz.

  1. Peperoni und Knoblauch im Olivenöl andünsten.
  2. Tomaten, Tomatenpüree, Harissa, Kümmel und Salz beigeben und 10 Minuten einkochen.
  3. Eier aufschlagen, zugedeckt stocken lassen und mit Brot servieren.

Häufige Fragen

Wie viel Olivenöl produziert Tunesien?

2024/25 laut Internationalem Olivenrat 340'000 Tonnen, knapp 10 Prozent der Weltproduktion. Die Ernte schwankt je nach Regen stark.

Welche Olivensorte ist typisch für Tunesien?

Chemlali, die vor allem im Zentrum und Süden wächst und milde Öle liefert. Im Norden ist die kräftigere Chétoui verbreitet.

Ist tunesisches Olivenöl gut?

Tunesien produziert viel natives Olivenöl extra und ist laut Landwirtschaftsministerium der grösste Exporteur von Bio-Olivenöl. Wie bei jedem Land entscheidet aber das einzelne Produkt: Erntejahr, Herkunft und Frische prüfen.

Gibt es geschützte Olivenöle aus Tunesien?

Ja, das Olivenöl von Téboursouk ist seit 2018 als Ursprungsbezeichnung anerkannt und seit 2020 bei der WIPO registriert.

Quellen