Kaum ein Olivenöl-Land hat sich so schnell verändert wie Portugal. Noch vor wenigen Jahren musste das Land Olivenöl importieren. Mit dem Alqueva-Stausee im Alentejo entstanden grosse, bewässerte Olivenhaine, und heute zählt Portugal zu den wichtigsten Produzenten und Exporteuren Europas.
Portugal in Zahlen
| Produktion 2024/25 | 177'000 Tonnen (IOC, vorläufig) |
| Anteil an der Weltproduktion | rund 5 % |
| Anteil des Alentejo | 75 bis 80 % |
| Geschützte Olivenöle (EU-Register) | 6 (alle DOP) |
| Wichtige Sorten | Galega Vulgar, Cordovil de Serpa, Verdeal Alentejana, Cobrançosa, Madural, Verdeal Transmontana |
| Export natives Olivenöl 2023 | 149'314 Tonnen im Wert von 1,01 Mrd. USD |
Die wichtigsten Anbaugebiete
- Alentejo: 75 bis 80 Prozent der portugiesischen Produktion. Im Bewässerungsgebiet des Alqueva-Stausees mit rund 120'000 Hektar sind etwa 60 Prozent der Fläche mit Oliven bepflanzt, oft in intensiven und superintensiven Anlagen. Traditionelle Öle aus Moura und Serpa basieren auf Cordovil, Galega und Verdeal.
- Trás-os-Montes: der gebirgige Nordosten mit alten Olivenhainen und Sorten wie Cobrançosa, Madural und Verdeal Transmontana.
- Beira Interior und Ribatejo: traditionelle Anbaugebiete im Landesinneren und am Tejo, wo die Galega vorherrscht.
Ursprungsbezeichnungen: 6 geschützte Olivenöle
Im EU-Register eAmbrosia sind sechs portugiesische Olivenöle als geschützte Ursprungsbezeichnung (DOP) eingetragen: Azeite de Moura, Azeite de Trás-os-Montes, Azeite do Alentejo Interior, Azeites da Beira Interior, Azeites do Norte Alentejano, Azeites do Ribatejo.
Wettbewerbe und Auszeichnungen
- Concurso Nacional de Azeites de Portugal (CNAP): Der nationale Olivenöl-Wettbewerb wird seit 2007 vom Centro de Estudos e Promoção do Azeite do Alentejo (CEPAAL) und dem Centro Nacional de Exposições e Mercados Agrícolas (CNEMA) organisiert. Die Gewinner werden an der Feira Nacional de Agricultura in Santarém bekanntgegeben.
Wohin Portugal sein Olivenöl exportiert
Laut UN-Handelsstatistik (Weltbank WITS, Zolltarif 150910) exportierte Portugal 2023 native Olivenöle im Wert von 1,01 Milliarden US-Dollar:
| Zielland | Wert (Mio. USD) | Menge (Tonnen) | Anteil am Exportwert |
|---|---|---|---|
| Spanien | 528,5 | 85'860 | 52 % |
| Brasilien | 300,9 | 36'301 | 30 % |
| Italien | 103,0 | 14'389 | 10 % |
| Frankreich | 21,7 | 3'682 | 2 % |
| USA | 16,7 | 2'648 | 2 % |
Spanien ist wegen der engen Verflechtung der Olivenölbranche beider Länder der wichtigste Abnehmer. Brasilien ist dank der gemeinsamen Sprache und Esskultur traditionell ein grosser Markt für portugiesisches Olivenöl.
Drei portugiesische Rezepte mit Olivenöl
Bacalhau à lagareiro
Für 4 Personen: 4 dicke Stücke entsalzener Stockfisch, 1 kg kleine Kartoffeln, 1 Kopf Knoblauch, 200 ml natives Olivenöl extra, grobes Salz, Petersilie.
- Kartoffeln mit Schale in grobem Salz im Ofen bei 200 °C 30 Minuten backen und leicht andrücken («batatas a murro»).
- Stockfisch mit etwas Öl beträufeln und im Ofen 15 bis 20 Minuten garen.
- Knoblauch in Scheiben im Olivenöl erwärmen, bis er duftet, und das heisse Öl über Fisch und Kartoffeln giessen. Mit Petersilie servieren.
Açorda alentejana (Brotsuppe)
Für 4 Personen: 4 Knoblauchzehen, 1 grosser Bund Koriander, grobes Salz, 6 EL natives Olivenöl extra, 1 l kochendes Wasser, 4 Eier, altbackenes Landbrot.
- Knoblauch, Koriander und Salz im Mörser zu einer Paste zerstossen und in eine Schüssel geben, Olivenöl darübergiessen.
- Kochendes Wasser dazugiessen und die Eier darin pochieren.
- Brotscheiben in Teller legen, Suppe und je ein Ei darübergeben.
Caldo verde (Grünkohlsuppe)
Für 4 Personen: 1 Zwiebel, 2 Knoblauchzehen, 600 g mehligkochende Kartoffeln, 1,2 l Wasser, 250 g Federkohl in feinen Streifen, 4 Scheiben Chouriço, 4 EL natives Olivenöl extra, Salz.
- Zwiebel, Knoblauch und Kartoffeln mit Wasser und Salz weich kochen und pürieren.
- Kohlstreifen dazugeben und 5 Minuten köcheln.
- Mit Chouriço-Scheiben und einem Schuss rohem Olivenöl servieren.
Häufige Fragen
Wie viel Olivenöl produziert Portugal?
2024/25 laut Internationalem Olivenrat 177'000 Tonnen, rund 5 Prozent der Weltproduktion.
Woher kommt das meiste portugiesische Olivenöl?
Aus dem Alentejo, das 75 bis 80 Prozent liefert, vor allem aus den bewässerten Olivenhainen rund um den Alqueva-Stausee.
Welche Ursprungsbezeichnungen gibt es für portugiesisches Olivenöl?
Sechs: Azeite de Moura, Azeite de Trás-os-Montes, Azeite do Alentejo Interior, Azeites da Beira Interior, Azeites do Norte Alentejano und Azeites do Ribatejo.
Was bedeutet «à lagareiro»?
«Nach Art des Ölmüllers»: Gerichte, meist Stockfisch oder Oktopus, die mit reichlich Olivenöl und Knoblauch serviert werden.
Quellen
- Internationaler Olivenrat: Olive sector statistics – December 2025
- Qualfood / Diário do Alentejo: 80 % do azeite português é produzido no Alentejo (8.9.2021)
- EU-Register der geografischen Angaben (eAmbrosia), abgefragt am 17.9.2026
- Weltbank WITS / UN Comtrade: Exporte Portugals, natives Olivenöl (HS 150910), 2023
- Concurso Nacional de Azeites de Portugal (CNAP)
- CNEMA: Concurso Nacional de Azeites de Portugal 2026






