Die Mittelmeerländer sind für zwei Dinge bekannt: viel Olivenöl und ein langes Leben. Liegt es also am Öl? Wir haben die aktuellsten Zahlen des Internationalen Olivenrats (IOC) zum Olivenöl-Konsum pro Kopf mit der Lebenserwartung der Weltbank verglichen und die Länder nach ihrem Weltrang eingeordnet. Das Ergebnis ist spannender als eine einfache Ja-Antwort.

Die Länder mit dem höchsten Olivenöl-Konsum

Laut den Olivensektor-Statistiken des IOC vom März 2025 (Erntejahr 2022/23) führt Griechenland mit 9,3 Kilo pro Kopf. In der EU folgen Spanien (7,5 kg), Italien (7,4 kg), Zypern (3,8 kg) und Portugal (3,7 kg). Unter den übrigen Mitgliedsländern des IOC liegen Albanien (8,7 kg), Marokko (4,0 kg), Libanon (3,8 kg) und Israel (3,2 kg) vorne. Grosse Importmärkte wie die USA (1,1 kg), Kanada (1,2 kg), Japan und Brasilien (je 0,4 kg) konsumieren deutlich weniger. In der Schweiz lag der Konsum laut Bundesamt für Statistik und Bauernverband 2016 bei rund 1,7 Kilo (etwa 1,85 Liter).

Konsum und Lebenserwartung im Vergleich

Die Lebenserwartung bei Geburt stammt aus den Daten der Weltbank für 2023, dem jüngsten vollständigen Jahr. Der Rang bezieht sich auf 217 Länder und Gebiete mit Daten.

LandOlivenöl pro Kopf (kg, 2022/23)Lebenserwartung 2023 (Jahre)Rang (von 217)
Griechenland9,381,736
Albanien8,779,654
Spanien7,583,99
Italien7,483,413
Marokko4,075,3103
Zypern3,881,638
Libanon3,877,870
Portugal3,782,329
Israel3,283,216
Syrien2,672,1135
Kanada1,281,639
USA1,178,461
Japan0,484,07
Brasilien0,475,897
Schweiz (zum Vergleich)ca. 1,7 (2016)84,25

Palästina (3,3 kg) haben wir nicht aufgenommen, weil die Lebenserwartung 2023 stark vom Krieg geprägt war und den Vergleich verzerren würde.

Was die Zahlen zeigen

  • Spanien und Italien kombinieren hohen Olivenöl-Konsum mit einer der höchsten Lebenserwartungen der Welt (Rang 9 und 13).
  • Griechenland isst am meisten Olivenöl, liegt aber mit 81,7 Jahren nur auf Rang 36, hinter Portugal, das halb so viel konsumiert.
  • Japan und die Schweiz gehören mit sehr wenig Olivenöl zu den langlebigsten Ländern überhaupt.
  • Marokko und Syrien konsumieren mehr Olivenöl als die USA oder Kanada, haben aber eine deutlich tiefere Lebenserwartung.

Rechnet man über die 14 Länder der Tabelle, ergibt sich eine schwach positive Korrelation von r = 0,28. Statistisch erklärt der Olivenöl-Konsum damit nur rund 8 Prozent der Unterschiede in der Lebenserwartung. Das ist wenig überraschend: Wie lange Menschen in einem Land leben, hängt von vielen Faktoren ab, etwa Einkommen, Gesundheitsversorgung, Rauchen, Bewegung und der Ernährung insgesamt.

Korrelation ist nicht Kausalität

Ländervergleiche wie dieser sind ein guter Denkanstoss, aber kein Beweis. Sie zeigen nicht, ob die Menschen, die viel Olivenöl essen, auch diejenigen sind, die lange leben. Dafür braucht es Studien an einzelnen Personen. Und die liefern ein deutlich klareres Bild. Die Sterblichkeitsstudien mit allen Effektgrössen besprechen wir ausführlich in Verlängert Olivenöl das Leben?

Was Studien an Menschen belegen

PREDIMED: Mittelmeerdiät mit nativem Olivenöl extra

In der spanischen PREDIMED-Studie wurden 7'447 Personen zwischen 55 und 80 Jahren mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko zufällig drei Gruppen zugeteilt: Mittelmeerdiät mit nativem Olivenöl extra, Mittelmeerdiät mit Nüssen oder eine fettreduzierte Kontrolldiät. Nach median 4,8 Jahren traten in den Mittelmeer-Gruppen rund 30 Prozent weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herz-Kreislauf-Todesfälle auf. Die Studie wurde 2013 veröffentlicht und 2018 wegen methodischer Fehler zurückgezogen und mit korrigierter Auswertung neu publiziert.

Harvard-Kohorten: über 90'000 Erwachsene in den USA

Eine 2022 im Journal of the American College of Cardiology veröffentlichte Auswertung begleitete 60'582 Frauen und 31'801 Männer über 28 Jahre. Wer mehr als einen halben Esslöffel (über 7 Gramm) Olivenöl pro Tag ass, hatte im Vergleich zu Personen, die selten oder nie Olivenöl assen, ein um 19 Prozent tieferes Risiko, an Herz-Kreislauf-Krankheiten zu sterben, ein um 17 Prozent tieferes Krebs-Sterberisiko, ein um 29 Prozent tieferes Risiko für Tod durch neurodegenerative Krankheiten und ein um 18 Prozent tieferes für Atemwegserkrankungen. Wer 10 Gramm Margarine, Butter, Mayonnaise oder Milchfett pro Tag durch Olivenöl ersetzte, hatte ein 8 bis 34 Prozent tieferes Sterberisiko. Die Forschenden weisen selbst darauf hin, dass Olivenöl auch ein Zeichen für eine insgesamt gesündere Ernährung und einen höheren sozialen Status sein kann.

Welche Inhaltsstoffe hinter diesen Effekten vermutet werden, erklären unsere Artikel über Polyphenole und Antioxidantien und die Nährwerte und zugelassenen Gesundheitsangaben.

Fazit

Ein Land wird nicht allein durch Olivenöl langlebig. Japan und die Schweiz beweisen, dass man auch ohne viel Olivenöl sehr alt werden kann. Auf der Ebene einzelner Menschen sprechen gute Studien aber dafür, dass natives Olivenöl extra als Teil einer ausgewogenen Ernährung, besonders anstelle tierischer Fette, der Herzgesundheit zugutekommt. Für die Schweizer Küche heisst das: Olivenöl gezielt dort einsetzen, wo es Butter oder Rahm ersetzen kann. Ideen dazu finden Sie in Schweizer Rezepte mit Olivenöl.

Häufige Fragen

Welches Land isst am meisten Olivenöl?

Griechenland mit 9,3 Kilo pro Kopf im Erntejahr 2022/23, laut Internationalem Olivenrat. Es folgen Albanien (8,7 kg), Spanien (7,5 kg) und Italien (7,4 kg).

Leben Menschen in Ländern mit viel Olivenöl länger?

Teilweise. Spanien und Italien haben sowohl hohen Konsum als auch eine sehr hohe Lebenserwartung, Griechenland liegt aber nur auf Rang 36. Über 14 Länder gerechnet ist der Zusammenhang schwach (r = 0,28).

Wie viel Olivenöl ist gesund?

In der US-Studie von 2022 war bereits mehr als ein halber Esslöffel (über 7 Gramm) pro Tag mit einem tieferen Sterberisiko verbunden. Die Schweizer Ernährungsempfehlungen raten zu 2 Esslöffeln Pflanzenöl pro Tag, davon mindestens einem Esslöffel Rapsöl.

Wie viel Olivenöl isst man in der Schweiz?

Rund 1,7 Kilo beziehungsweise 1,85 Liter pro Kopf und Jahr (2016). Das ist deutlich weniger als in den Mittelmeerländern, aber mehr als in den USA oder in Japan.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich an eine Fachperson.