Diese Seite ist das Datenblatt zum Olivenöl: was pro 100 Gramm in der Flasche steckt, und was darüber rechtlich behauptet werden darf. Beides ist eng umrissen und ändert sich selten. Was die Forschung über Herz, Lebensdauer, Krebs oder Entzündungen hergibt, steht ausdrücklich nicht hier, sondern im Wegweiser durch die Studienlage, der jede verbreitete Aussage einzeln mit einem Urteil versieht.

Nährwerte pro 100 Gramm

Typische Werte für natives Olivenöl extra, je nach Öl mit erheblicher Schwankung:

Bestandteilpro 100 g
Energierund 880 kcal
Einfach ungesättigte Fettsäuren (vor allem Ölsäure)rund 73 g
Gesättigte Fettsäurenrund 14 g
Mehrfach ungesättigte Fettsäurenrund 11 g
Vitamin E (α-Tocopherol)etwa 10 bis 25 mg
Polyphenole (Gesamtphenole)5 bis 80 mg (das sind 50 bis 800 mg pro Kilo Öl)
Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiss, Salzpraktisch null

Deklarationspflichtig ist davon nur ein Teil. In der Schweiz verlangt die Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel (LIV) seit Februar 2024 sieben Werte je 100 Gramm: Energie in Kilojoule und Kilokalorien, Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiss und Salz. Vitamin E und Polyphenole gehören nicht dazu – sie stehen nur freiwillig auf dem Etikett, wenn überhaupt. Genau das macht die Flasche so schwer zu lesen: Der eine Inhaltsstoff, der die Öle wirklich unterscheidet, ist der, den niemand angeben muss.

Denn beim Fettsäureprofil liegen alle Olivenöle nah beieinander. Bei den Polyphenolen trennt den tiefsten vom höchsten gemessenen Gehalt der Faktor 16. Warum sie so stark schwanken, steht in Polyphenole und Antioxidantien im Olivenöl.

Die zwei zugelassenen Angaben, im Wortlaut

Gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel sind streng geregelt: in der Schweiz in Anhang 14 der LIV, in der EU in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012. Für Olivenöl stehen dort genau zwei – und keine weitere:

  • Ungesättigte statt gesättigte Fettsäuren. Werden gesättigte Fette in der Ernährung durch ungesättigte ersetzt, trägt das zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei. Das Stichwort ist ersetzen: zusätzlich zur bisherigen Ernährung bringt es diesen Effekt nicht. Die Angabe gehört ausserdem allen ungesättigten Fettsäuren, nicht dem Olivenöl allein.
  • Olivenöl-Polyphenole. Sie tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen. Das ist die einzige Angabe, die speziell dem Olivenöl gehört, und sie hängt an einer Bedingung: mindestens 5 mg Hydroxytyrosol und Derivate pro 20 g Öl, bezogen auf einen täglichen Verzehr von 20 g. Dem Verbraucher muss diese Tagesmenge mitgeteilt werden.

Die Bedingung ist der entscheidende Satz dieser Seite, weil sie sich umrechnen lässt: 5 mg pro 20 g sind 250 mg pro Kilo. Gemessene Gesamtphenolgehalte liegen zwischen etwa 50 und 800 mg pro Kilo. Ein erheblicher Teil der Supermarktöle erreicht die Schwelle also nicht – und weil der Gehalt freiwillig ist, steht auf fast keiner Flasche, ob sie es tut. Wo er doch angegeben ist, ist das eine Information, die sonst nirgends zu bekommen ist.

Was ausdrücklich nicht zugelassen ist

Die Liste wird nicht länger, sondern bleibt kürzer als beantragt. Im Mai 2025 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zwei weitergehende Anträge abgelehnt:

  • HDL-Cholesterin. Olivenöl-Polyphenolen sollte die Erhaltung eines normalen HDL-Cholesterins zugeschrieben werden. Abgelehnt, weil das Ergebnis einer Studie an Männern in anderen Gruppen nicht wiederholt wurde.
  • LDL-Cholesterin und Blutdruck. Beantragt war eine Senkung von LDL-Cholesterin und systolischem Blutdruck. Abgelehnt, weil das Gremium einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang nicht als erwiesen ansah.

Alles Übrige – Krebs, Demenz, Entzündungen, Langlebigkeit, sportliche Leistung – ist Gegenstand der Forschung und keiner zugelassenen Angabe. Wie gut es jeweils belegt ist, Aussage für Aussage, steht im Wegweiser durch die Studienlage.

Was «20 g täglich» praktisch heisst

Die Bedingung rechnet mit 20 g Öl pro Tag, also gut zwei Esslöffeln oder rund 175 Kilokalorien. Daraus folgen vier Dinge für den Einkauf und die Küche:

  • Ersetzen statt ergänzen. Beide zugelassenen Angaben sind Tausch-Angaben. Der Nutzen entsteht dort, wo Olivenöl Butter, Rahm oder ein raffiniertes Öl ablöst, nicht beim zusätzlichen Löffel.
  • Roh, wo es geht. Für das Fettsäureprofil spielt Erhitzen kaum eine Rolle, für die Polyphenol-Bedingung schon. Über Salat, Suppe, Gemüse und Brot bleibt am meisten erhalten; zum Braten siehe Täglich Olivenöl.
  • Die Güteklasse beachten. Ein raffiniertes «Olivenöl» enthält kaum Polyphenole und kann die Bedingung nicht erfüllen. Worauf Sie im Regal achten, steht in Was ist natives Olivenöl extra.
  • Richtig lagern. Polyphenole und Vitamin E bauen sich mit Licht, Wärme und Luft ab; ein Öl, das im Schrank verdirbt, erfüllt keine Bedingung mehr: Olivenöl richtig lagern.

Welche Flaschen im Schweizer Regal die Güteklasse «extra vergine» belegbar halten, zeigt unser Olivenöl-Test-Überblick.

Häufige Fragen

Erreicht mein Supermarktöl die Polyphenol-Schwelle?

Meist lässt sich das an der Flasche nicht ablesen. Die Schwelle liegt bei 250 mg pro Kilo (5 mg pro 20 g), gemessene Gehalte reichen von etwa 50 bis 800 mg pro Kilo, und der Wert ist nicht deklarationspflichtig. Ein Öl, das ihn angibt, ist deshalb eher eines, das ihn erreicht.

Ist Olivenöl gesünder als Rapsöl?

Beide sind günstig zusammengesetzt, aber unterschiedlich. Rapsöl hat mehr Omega-3-Fettsäuren, Olivenöl deutlich mehr Polyphenole und ein anderes Aromaprofil. Die Angabe zum Ersatz gesättigter Fette gilt für beide; die Polyphenol-Angabe gibt es nur für Olivenöl.

Wie viel Olivenöl ist zu viel?

Es gibt keine offizielle Obergrenze, aber die Kalorien zählen: 20 g liefern rund 175 Kilokalorien. Wer Olivenöl zusätzlich statt anstelle anderer Fette verwendet, nimmt schlicht mehr Energie auf.

Hilft Olivenöl beim Abnehmen?

Nicht durch sich selbst. Mit rund 880 Kilokalorien pro 100 Gramm ist es eines der energiedichtesten Lebensmittel überhaupt. Sinnvoll ist es in einer Ernährung, in der es gesättigte Fette ersetzt.

Verliert Olivenöl beim Kochen seinen Nutzen?

Einen Teil. Die Fettsäuren bleiben weitgehend erhalten, ein Teil der Polyphenole nicht. Für das Fettsäureprofil spielt Erhitzen kaum eine Rolle, für die Polyphenol-Bedingung schon.

Ist Bio-Olivenöl gesünder?

Die Bio-Zertifizierung betrifft den Anbau, nicht den Nährwert. Für Polyphenolgehalt und Frische sind Sorte, Erntezeitpunkt und Verarbeitung entscheidend.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich an eine Fachperson.